Ein Erfahrungsbericht von Kater Paul - Warum nicht auch mal die Katze zu Wort kommen lassen?!
4 Tage in der Katzenpension Hoffmann, 18.–21. April 2026
Ich bin Paul, 9 Jahre alt. Die Box stand plötzlich im Flur. Ich wusste sofort, was das bedeutet. Diese Box erscheint nur, wenn meine Menschen mit mir in den Urlaub fahren. Der Tierarzt kommt schließlich zu mir nach Hause – wie es sich gehört. Also blieb nur eine Schlussfolgerung: Ich werde irgendwohin gebracht. Ich hatte recht.
Kurz darauf befand ich mich in der Katzenpension von Frau Hoffmann. Ein Ort voller fremder Gerüche, fremder Geräusche und – wie sich herausstellte – viel zu vieler Katzen. Ich tat, was ein kluger Kater in so einer Situation tut: Ich zog mich zurück. In eine Ecke. Möglichst klein, möglichst unsichtbar. Von dort aus analysierte ich die Lage und suchte diskret nach einem Fluchtweg. Frau Hoffmann sprach mit sanfter Stimme auf mich ein. „Alles gut, Schatzimann, hier tut dir keiner was.“ Ich hörte zu. Ich glaubte ihr nicht.
Dann legte sie mir ein Kissen mit Katzenminze hin. Ich fauchte es an. Man weiß ja nie. Das Futter ignorierte ich ebenfalls. Erstmal war Chillen angesagt.
Am nächsten Tag war die Welt ein kleines bisschen weniger schlimm. Ich wagte mich ein paar Schritte weiter hinaus, nur so viel, dass ich jederzeit wieder verschwinden konnte.
Und dann sah ich ihn: einen Schiebetürenschrank. Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Zuhause sind solche Schränke Orte von großer Bedeutung. Ich öffne sie. Ich gehe hinein. Ich bin dort. Natürlich wollte ich hinein. Dann geschah etwas Merkwürdiges. Die Tür bewegte sich. Ganz leicht. Fast lautlos. Ich werde nicht behaupten, dass ich es war. Aber ich werde es auch nicht ausschließen.
Später war der Schrank wieder geschlossen. Frau Hoffmann hatte offenbar ihre eigene Meinung zu diesem Thema. Als ich es erneut versuchte, wurde ich gestoppt. „Nein, Paul.“ Ich tat so, als hätte ich es nicht gehört. Zweiter Versuch. „Nein, Paul.“ Dritter Versuch. „Paul, nein.“ Damit war die Angelegenheit vorerst geklärt. Offiziell.
Langsam wurde ich mutiger. Ich erkundete den Raum, probierte verschiedene Plätze aus und fand schließlich einen Hochsitz, von dem aus ich alles im Blick hatte. Ein ausgezeichneter Ort. Die anderen Katzen kamen mir gelegentlich zu nah. Ich erklärte ihnen höflich, aber bestimmt die Situation – ein kurzes Fauchen, nicht aggressiv, nur informativ: „Bitte Abstand halten. Ich bin hier nur vorübergehend.“ Ein schwarzer Kater namens Charlie verstand das sofort. Wir wurden keine Freunde, aber wir respektierten uns.
Frau Hoffmann kümmerte sich gut um mich. Sie brachte Futter, Leckerlis und sprach mit mir, als wären wir alte Bekannte. Und irgendwann passierte etwas Unerwartetes: Ich spielte. Nur kurz, aber es passierte. Außerdem entdeckte ich eine neue Lebensphilosophie: Man kann im Liegen essen. Ich sehe keinen Grund, das jemals wieder anders zu machen.
Am letzten Tag durfte ich nach draußen. Ein Außengehege mit vielen Plätzen zum Liegen, Verstecken und Beobachten, frischer Luft und neuen Gerüchen. Aber keine Mäuse. Ich sah mir das Ganze an, zog meine Schlüsse und kehrte wieder hinein zurück. Man muss Prioritäten setzen. Drinnen wartete mein Platz oben auf dem Schrank. Sicher, ruhig und mit Überblick.
Und dann geschah das Beste: Susanne kam, um mich abzuholen. Ich blieb natürlich ruhig, würdevoll wie immer.
Aber als ich wieder zuhause war, stellte ich sofort klar, was jetzt wichtig ist: Kuscheln. Viel. Lange. Ohne Diskussion. Vier Tage müssen schließlich aufgearbeitet werden. Endlich wieder ein Ort, an dem ich einfach rein darf.
Pauls Urteil :
Freundlichkeit: ⭐⭐⭐⭐⭐
Futter: ⭐⭐⭐⭐☆
Unterhaltung: ⭐⭐⭐⭐☆
Mitbewohner: ⭐⭐☆☆☆
Schrankpolitik: ⭐☆☆☆☆
Außengehege: ⭐⭐⭐☆☆
Gesamt: ⭐⭐⭐⭐☆ (4 von 5 Pfoten)
Ein Stern Abzug wegen Schrankverbot und fehlender Mäuse. Trotzdem: gute Betreuung, ich habe überlebt und meine Würde größtenteils behalten.




